Trau keinem anderen DJ – er ist ein Mitbewerber.

Die Headline hat erstmal mit dem Internet nichts zu tun. Das Konkurrenzdenken gab es schon immer und gibt es überall.

Wie ich schon in meinem Artikel über die DJ Entwicklung seit den 70ern geschrieben habe. Das Internet war lange Neuland für DJs.

Ich war einer der Ersten, ich hatte sogar BTX – und dann war ich schon drin, bevor Boris Becker – bei AOL drin war.

Dann kam das heutige Internet. War eine teure Zeit, die 90er. Ich hatte eigene Server, war mein eigener Provider. Ich erinnere mich heute noch daran, als 1&1 (Strato) auf den Markt kam, als die ihren ersten großen Crash hatten, ich glaube über 300.000 Webseiten von Kunden waren weg, da gab es einen Eintrag in den ersten Internet Foren: Ja wir haben Backup Systeme, die sind aber noch nicht angeschlossen.

DJ Ausfall. Wenn ich mir das erlaubt hätte – oh je.

Wie ist es mir ergangen ? Ich hatte das alles für mich installiert, weil mir diese ganzen Anbieter nicht geheuer waren. Ich hatte meine eigene 2MB Standleitung. Das kostete mich damals so um die 600,- DM, monatlich, von der ganzen Technik ganz zu schweigen. Mein erster CD Brenner mit 2-facher Schreibgeschindigkeit hat 3.000,- DM gekostet – Ein Rohling 5,- Mark – und wehe, es hat einer gehustet beim Brennvorgang. Hatte sich aber ausgezahlt, irgendwie. Ich war ausgebucht ohne Ende in Hannover und Region. Ich war damals schon ein Urlaubs DJ und für die TUI in Rumänien, Malediven und noch weiter. Schnell hatte ich bis zu 30 DJ Kollegen, an die ich die Aufträge verteilt habe. Von den Provisionen habe ich die ganze Technik bezahlt, wir hatten alle unseren Spaß. Man drängte mich, mach das doch für ganz Deutschland. Das wollte ich damals nicht, weil ich genau wie viele DJs dachte, ich kann doch nur Aufträge verteilen an DJs, die ich kenne. Wenn ich damals gewusst hätte (ich hätte es ahnen sollen), dass unser Geschäft sich zu einer Massendienstleistung entwickelt, die Dank der kostengünstigen Techniken und Medien jeder selbst ausführen kann, ja dann – hätte ich heute den Titel der größten DJ Vermittlung Deutschlands als Urkunde über dem Schreibtisch hängen.

Und heute, wie ist es gekommen – das Internet ersetzt schon fast die Schule. Lernen ist nicht mehr notwendig, das ganze Wissen dieser Welt gibt es per Mouse Klick. Sprechen muss man noch, schreiben kann die Technik für Dich alleine, reinsprechen – den Rest macht die Technik. Für alles gibt es heute Bausteine, Module oder Apps.

Mythos DJ im Internet, dj agenturUnd somit sind fast alle DJs, die durch mich gemeinsam mit dem Internet groß geworden sind, nicht mehr im Team. Sie sind sozusagen “erwachsen” geworden. Warum sollen wir dem was zahlen, für seine Arbeit, Webseite und Vermittlung. Ich kann das jetzt alles selber machen, ich habe mir das ja jahrelang abgeguckt. Das spare ich mir. Gut, viele dieser Kollegen programmieren sich die Finger wund und wundern sich, warum sie ihre Webseite, ihre Leistung nicht hochwertig an den Kunden bringen.

Wie schon beschrieben – der DJ hinkt immer hinterher. Wenn der DJ denkt, er ist oben angekommen – stehen hinten dir schon viele Nachrücker auf der Leiter und schubsen Dich vom Thron. Am Ende fallen sie hinten runter – und stellen sich wieder bei mir vorne an. Ein Teufelskreis.

Loyalität – gibt es kaum noch. Ob ich mit meinen Beiträgen die DJs zur Besinnung und mehr Teamgeist bewegen kann, ist fraglich. Immerhin habe ich 37 Jahre erfolgreiche mobile DJ Tätigkeit hinter mir. Bin ein “alter Sack” – und zeitlich nicht mehr auf der Höhe.

Internet – so gut wie es auch ist !

Der Erfinder wird sich etwas anderes dabei gedacht haben.

Insgesamt verschlechtert es aber unsere Lebensqualität.

Noch mal ein Wort zur Loyalität und die ich-bin-besser-als-der-andere-DJ Einbildung:

Als ich meine Hannover DJs noch persönlich betreut habe, hat man sich getroffen, bei mir im Büro. Ich habe unzählige macBooks eingerichtet und Traktor DJ Installationen vorgenommen. Ein echtes zeitaufwendiges Abenteuer. Wir waren früh dran, im digitalen Zeitalter, das damals eher zeitaufwendig und teuer war. So saßen wir da Stunde um Stunde, und das Telefon war damals noch 50:50, damit meine ich – es haben auch noch Kunden angerufen (heute sind es nur noch 2 %).

Meine beste Erinnerung dazu:

Es klingelt – Ich sage Hallo Frau Bohrmann, schön, dass sie anrufen, was kann ich für Sie tun ? – 12. Mai ? – Kein Problem, trage ich ein, machen Sie den Vertrag fertig, wir telefonieren Anfang Mai nochmal. Telefonat beendet. Gesprächsdauer: unter einer Minute.

An dem Tag saßen vier DJs gleichzeitig bei mir – und jeder fragte mich, was war das denn jetzt ? – Ich sagte nur – ein neuer Auftrag. Ja aber, DU hast Doch gar nicht auf den Kalender geschaut, ob Du frei hast ? Nein, sagte ich, brauche ich auch nicht, denn es war eine Event Agentur, die bucht mich schon seit 15 Jahren, sie kennt mich – ich kenne sie. Diese Agentur hat hochwertige Kunden aus dem gehobenen Geschäftsleben Hannovers. Es ist eine Ehre, für sie arbeiten zu dürfen. Die Agentur hat Vorrang. Und wenn ich belegt bin, hier sitzen doch genug DJs, dann macht meine VA halt jemand anderes. Das Ganze war Ende der 90er.

Dann wurden die Kollegen neugierig. Was nimmste denn dafür, ich sage – gleiche Gage wie immer (damals waren das 450,- Mark pro Auftritt) – die Agentur berechnet dem Kunden so an die 1.000,- DM. Dann haben wir aber ein paar Stunden diskutiert, was wurde da geschimpft. Lange Rede – schnelle Erkenntnis – diese vier jungen DJs haben sich natürlich hintenrum heimlich direkt bei der Event Agentur vorgestellt, sie konnten mich ja als Referenz nennen, und schwupps – hat sich mein Auftragsvolumen bei der Agentur reduziert, weil die jungen DJs natürlich mit den Preisen runtergegangen sind. Also, das Ganze mit den Gagen Diskussionen und der Kampf um jeden Auftrag ist keine Erfindung des Internets.

Wenn der DJ übertreibt im Internet !

Und dann noch die Sache mit der Selbstbeweihräucherung.

Als DJ Aldiana im EinsatzFacebook strotzt nur so vor Selbstdarstellungen und wenn dann mal ein C-Promi zu sehen ist, her mit dem Selfie und posten, was das Zeug hält. Irgendwie bin ich froh, dass es das früher nicht gab. Ich habe für viel Prominenz arbeiten dürfen, in edlen Häusern, Bundesliga Trainer, Kaiser oder gar Präsidenten. Ob Pornosternchen oder Playmate – für das einiges war ich sogar zu schüchtern. Die meiste Prominenz habe ich während der letzten zehn Jahre kennengelernt durch meine Urlaubs Dj Einsätze bei Aldiana in ganz Europa oder Afrika. Mit manch einem bin ich befreundet, der ein oder andere hat mich für seinen Geburtstag oder Hochzeit gebucht. Darauf bin ich stolz.

Für ein Buch würde es reichen, aber Diskretion – ohne diese hätte man mich nie gebucht. Diskret, relaxt und ein wenig frech – das alles geht ohne das Internet.

Und heute funktionieren wir nicht mehr ohne dieses Medium. Wer weiß, wie sich das Ganze entwickelt. Ihr macht das schon.

Was mir sonst noch zu den social Medien aufgefallen ist – steht hier —>

My Private Site www.wolfgang-gerth.de. oder auch www.motivbox.de.