Warum haben wir Facebook, WhatsApp und Co. überhaupt ?

Social Media ist nicht dazu da, damit wir uns die Zeit vertreiben.

Es ist total überflüssig, jedem mitzuteilen, was man gerade tut oder wo man was isst.

Facebook ist ist nicht dazu da, neue Freunde zu finden.

Es ist nicht dazu da, damit Du gute Geschäfte machst.

Diesen Artikel habe ich geschrieben am 03.03.2016,  Facebook wird gerade vom Kartellamt aufs Korn genommen. Warum ?

Es gibt inzwischen Berichte, dass Facebook die größte Bild-Such-Gesichtserkennung-Software der Welt ist und von den Gehimdiensten intensiv genutzt wird. Hier in Deutschland hat inzwischen jeder dritte einen FB Account. Oder man ist bei Google. SMS Daten sammeln und auswerten war nicht effektiv genug. Also wurde WhatsApp erfunden. Damit hat man dann den Rest der Bevölkerung in der Datensammelmaschine. Und damit nicht alles getrennt ausgewertet und verarbeitet werden muss, werden die Produkte dann zusammengelegt, wenn man erstmal alle süchtig gemacht hat. Wenn zu viele eine erfolgreiche Platform verlassen, wird etwas Neues “erfunden”. Das verbreitet sich dann wie ein Lauffeuer, das musst Du unbedingt haben – und schon haben sie Dich wieder.

Das Ganze läuft immer nach dem “guter Bulle – böser Bulle” Prinzip. Bekommt der eine nicht von Dir, was er will, dann bekommt er es vom anderen. Und hinter verschlossenen Türen werden die Informationen über Dich zusammengelegt, ausgewertet – zack, so einfach ist das.

Digital Total | Lass Dich überwachen und Kontrollieren.

Darum geht es: die Welt dreht sich immer schneller. In den Nachrichten nur noch Spionage, Krieg und noch schlimmer – der Terror. Wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt, bereits kurze Zeit nach einem sogenannten Attentat gibt es viele Erkenntnisse. Man weiß plötzlich, wer die Täter sind, wo sie gestern noch waren, in welchen Ländern sie sich aufgehalten haben und was sie in den letzten Tagen eingekauft haben. Das Ganze können die Geheimdienste nicht in so kurzer Zeit herausfinden. Es sind die Ergebnisse der großen Datensammlungen im Internet. Jeder Klick von uns wird erfasst. Es werden uns kostenfreie Portale angeboten, die sich angeblich nur durch Werbung finanzieren. Das ist einerseits richtig, aber durch die Werbeeinnahmen dieser Unternehmen finanzieren wir die gesamte Erfassung unseres Lebensweges, unseres Bewegungsprofiles. Wir selber sorgen also dafür, dass wir total gläsern werden, durchsichtig und auf Schritt und Tritt überwacht.

Man fragt uns nach Meinungen, Interessen an Sport, Medien, Politik und man fragt Dich über Deine Freunde aus. Der Mensch tickt weltweit überall gleich, egal in welcher Farbe, Religion oder Sprache, nur der Mensch an sich denkt halt anders, denkt er.

Aber all das lässt sich per Software programmieren. Daten sammeln, auswerten, vergleichen und Profile erstellen. Somit weiß man alles über Deine Kaufkraft, Deine Reiseziele und Wünsche, Deine Vorlieben und Deine Abneigungen. Man weiß, wo Du warst – und noch viel besser, da wir ja an allen Umfragen und Gewinnspielen teilnehmen weiß man inzwischen sogar, wo Du noch hinwillst. Dein Algorithmus wird berechnet, täglich.

Ein Algorithmus bezeichnet eine systematische, logische Regel oder Vorgehensweise, die zur Lösung eines vorliegenden Problems führt.

Was kommt als nächstes ?

Digitale Bezahlsysteme sind der nächste Baustein. Während wir glauben, dass dadurch alles einfacher wird, geht es nur darum, das Bargeld abzuschaffen. Bargeld ist überflüssig geworden. Der Missbrauch in Sachen Schwarzarbeit und Geldwäsche in der Kriminalität oder bei den Korruptionsgeschäften – das alles bekommt man in den Griff, wenn das Geld nicht mehr unter dem Kopfkissen liegt. Nur Bares ist Wahres – wird es bald nicht mehr geben.

Was hat das Ganze mit dem Discjockey zu tun, unserem Beruf ?

Wir DJs klagen ja alle darüber, dass unsere “Berufung” immer weniger wert ist, wir werden digital ersetzt, weil wir digital arbeiten. Wieso werden wir ersetzt ? – Weil Ihr es so wolltet.

Media Control, die erste Playliste für DJsNoch mal kurz zurück in die Vergangenheit. Media Control – Kennt das noch jemand ? Diese beiden Worte gab es schon früher, vor dem Internet, und wer Dieter Thomas Heck mit seiner Hitparade noch kennt, wird sich erinnern, wenn er einen Künstler präsentiert hat, von Platz 23 auf Platz drei in dieser Woche – Jürgen Drews ein Bett im Kornfeld, das Ganze wie immer ermittelt von Media Control. Und tatsächlich – wir wurden schon vorher kontrolliert, analog. Es dauerte nur halt etwas länger, bis diese Informationen zusammen getragen, ausgewertet wurden und dann dem Konsumenten einen neuen Trend aufzuschwatzen und etwas Neues zu präsentieren. Das ist der einzige Grund, warum die Zeitspanne von der einen Neuerscheinung zur nächsten recht lang war. Heute geht das schneller. Heute gibt es Cover Versionen und Remixe, bevor der Titel offiziell in den Verkauf gelangt.

Die Folgen der Auswertungen | Der DJ schafft sich ab !

Zurück in die Zukunft und dem Wort Playliste. Da ist es wieder, das böse Wort. Früher hat das keinen gestört, da hing im Plattenladen über jeder Sparte die aktuelle Playliste, die Top 100.

Shazam, Das Internet kennt jeden SongDie modernen Playlisten ergeben sich aus Deiner Bereitschaft, alles zu posten und zu bewerten. Die Musikdienste bieten Dir an, alles hochzuladen, zu speichern, tauscht Eure Lieblingslieder und Playlisten untereinander aus. Das macht Spaß und Du weißt, was Dir und Deinen Freunden gefällt. Das Resultat nennt man dann zum Beispiel “Genius” von Apple. Alle gesammelten Informationen seit Erfindung der MP3 Musik ergeben eine Wahnsinnsdatenbank, nicht umsonst erkennt “Shazam” innerhalb von 20 Sekunden, welches Lied gerade bei Footlocker durch die Lautsprecher dröhnt. Es ist alles erfasst. Und somit werden wir jetzt dank solcher Musikdienste wie Music und der Apple Watch und “Siri” nur noch unsere Uhr anschreien und sagen: spiel mir die Top Hits der 90er. Und es funktioniert. Du brauchst kein DJ mehr sein, denn alle Auswertungen der DJs ergeben eine Online Playlists, die einen DJ überflüssig macht, im mobilen Bereich. Die Bereitschaft, viel Geld oder überhaupt Geld für einen mobilen DJ auszugeben, sinkt ständig.

Wir haben also selbst dazu beigetragen. Wir sind selbst von der Medienvielfalt genervt, dass der DJ als “Künstler” denkt – Atemlos – schei… drauf – spiele ich nicht mehr. Der mobile DJ, der mehr als 10 Jahre im Geschäft ist, hat die Nase voll von Sing Hallelujah oder von Safri Duo. Jetzt hat er ja die Technik, den Controller, kann remixen und producen, etwas Neues schaffen und er denkt, das ist cool – ich bin ja so gut.

Leider denkt er nicht an den Kunden. Die Spaßgesellschaft. Die sind auch genervt von der Helene Fischer. Zu Hause oder auf der Arbeit können sie ganz einfach die Musik abschalten, umschalten oder die Playliste wechseln. Aber auf der Party, auf der sie an dem Abend eingeladen sind, will jeder maximal feiern. Zu den Hits aus seiner Jugend, zu den Top Charts und den besten Oldies, zu Atemlos, Sing Hallelujah und Safri Duo – Party Alarm.

Und weil immer weniger mobile DJs auf den Kunden achten,

greift der Kunde auf die Playlisten zurück, auf Apple Music, auf das Internetradio usw. Kostet nichts, hat keine Widerworte und die Auswahl ist unerschöpflich. Und da wir sowieso inzwischen alle all inclusive buchen, ist es bei der Flatrate Generation relativ schnell egal, woher die Musik kommt.

Wer bis hierher gelesen hat, wird sagen – alles Quatsch, der Kunde will noch Qualität und einen Fachmann, dafür wird gerne gezahlt. Das ist einerseits richtig, aber andererseits wird das Geld auch nicht mehr zum Fenster rausgeworfen. Es geht um die vielen kleinen Feiern, die wir früher gemacht haben. Da wird gespart. Vereine, kleine Abteilungen, kleine Geburtstagsfeten, Polterabende, Partys in der Gartenkolonie – das macht man jetzt alles selber. Dafür boomen jetzt die Technik Verleiher.

Um diesen Artikel abzuschließen, die Erfassung ist gemacht, der DJ wird ersetzt.

Playlisten abfragen auf FBJetzt kommen nur noch die vielen neuen DJs hinzu, es spricht sich ja rum. DJ Technik kostet nicht mehr viel, die Anschaffung wird immer einfacher. Fehlt nur noch die Erfahrung. Und da kommt Facebook wieder ins Spiel. Die naiven DJs packen, eine Gruppe gründen, dumme Fragen stellen, scheinheilig nachfragen und Informationen sammeln und selber auswerten. Was spielt Ihr denn so ? – Ich muss heute Abend eine Mottoparty machen, fehlt mir noch ein Hit ? Und jeder nette DJ Kollege postet, was das Zeug hält, er ist ja gut – und das soll jeder wissen.

Der Newcomer freut sich, speichert die Liste und geht los für 150,- Euro am Abend. Und wenn er mit den Playlisten Erfolg hat, dann postet er Bilder von der Party und nimmt beim nächsten Mal 250,- Euro. Drei Jahre später schimpft er über die Billig DJs – und damit wären wir wieder bei der Gagen Diskussion.

Schluss jetzt. Ich muss jetzt meine aktuellen Auswertungen anschauen, und mein Online Geschäft optimieren und automatisieren.

Wolfgang Gerth, 03.03.2016